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Retrospektive Pipilotti Rist
Die Schweizerin Pipilotti Rist, Jahrgang 1962, ist seit Mitte der 80er Jahre bekannt für witzige, hintergründige, knallbunte und anarchische Videos. Konzentrierte sie sich anfangs auf Einkanal-Clips für die Leinwand oder den Fernseher, so entwickelt sie seit Anfang der 90er große Installationslandschaften aus Medienkunst und Skulptur. Rist wurde schnell zu einer der prominentesten und populärsten Künstlerinnen ihrer Generation, nahm wiederholt an der Biennale von Venedig teil und hatte Einzelschauen von Paris bis New York. In den letzten Jahren bespielt sie komplette Räume in digitalen Immersionstechniken. Außerdem drehte sie ihren ersten Kinofilm Pepperminta, der im Frühjahr 2010 in die deutschen Kinos kommt. In ihren Arbeiten zelebriert sie den Reiz des weiblichen Körpers und seiner Rundungen und Öffnungen sowie die – oft subversive – Überlegenheit der femininen Sinne. Immer versteht sie es, Gesellschaftskritik mit parodistischem Humor zu verbinden. Ihr Werk wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.
Sonntag, 01. November 2009 | 15 Uhr, Kunstmuseum Bonn
 | | "I'm Not The Girl Who Misses Much" (Courtesy: the artist, videoart.ch and Hauser & Wirth) |
I’m Not The Girl Who Misses Much
CH 1986, DVD, 5'
Musik nach: “Happiness is a Warm Gun” (Lennon/McCartney).
Diese Videoarbeit, noch aus den Zeiten ihres Kunststudiums, machte Rist bekannt. Mit tiefrot geschminkten Lippen und ebenso tiefem Ausschnitt zelebriert die Künstlerin einen exorzistischen Tanz zu einer – auf sich selbst umgemünzten – Zeile aus Lennons “Happiness is a Warm Gun“. Die Ton- und Bildverzerrungen geben ihren Verdrehungen den performativen und parodistischen Charakter, der auch die meisten ihrer späteren Filme auszeichnet.
Sexy Sad I
CH 1987, DVD, 4'30''
Musik nach: “Sexy Sadie” (Lennon/McCartney).
Den üblichen Sehreizgewohnheiten zuwiderlaufend wird der Zuschauer mit einem nackten männlichen Körper konfrontiert. Der Mann taumelt hilflos einer sich ständig wegbewegenden Kamera hinterher. Die geschlechterspezifische Erfahrung der Reduzierung zum Objekt kehrt sich um, und mit einer Mischung aus Humor und Häme wird die Frage nach Macht und Kontrolle gestellt. Auch hier ist der Titel die Anspielung auf einen Beatles-Song: “Sexy Sadie“ war deren Abrechnung mit der Überheblichkeit ihres indischen Gurus.
 | | "(Entlastungen) Pipilottis Fehler" (Courtesy: the artist, videoart.ch and Hauser & Wirth) |
(Entlastungen) Pipilottis Fehler
CH 1988, DVD, 11'
Musik: Hans Feigenwinter, Les Reines Prochaines.
In kurzen hintereinander geschalteten Sequenzen kämpft Pipilotti Rist mit den Tücken von Psyche und Materie. Das Eingeständnis, dass Perfektion weder möglich noch jederzeit erstrebenswert ist, wird durch die verzerrten, an frühe Fernsehstörungen erinnernden Bilder unterstrichen.
 | | "You Called Me Jacky" (Courtesy: the artist, videoart.ch and Hauser & Wirth) |
You Called Me Jacky
CH 1990, DVD, 4'
Musik: “Edna & Jacky” (Kevin Coyne).
Die Künstlerin singt im Playback “Edna & Jacky“ von Kevin Coyne, spielt dazu die Luftgitarre und subvertiert damit kritisch die ästhetischen Konventionen der Videos der Musikindustrie. Diesmal schafft eine eher ruhige, fast romantische Darstellung die übliche ironische Distanz.
Als der Bruder meiner Mutter geboren wurde, duftete es nach wilden Birnenblüten vor dem braungebrannten Sims
CH 1992, DVD, 4'
Musik: Heinz Rohrer/Pipilotti Rist (voice).
Vor grandioser schneebedeckter Alpenkulisse lässt ein kleines Sichtfenster den Blick auf die Geburt eines Menschen frei. Frauen haben die Macht, Leben zu schenken; Frauen erleiden die damit verbundenen körperlichen Schmerzen.
 | | "Pickelporno" (Courtesy: the artist, videoart.ch and Hauser & Wirth) |
Pickelporno
CH 1992, DVD, 12'
Musik: Peter Bräker/Les Reines Prochaines.
Ein Mann und eine Frau sind in ihr Liebesspiel vertieft. Trotz extremer Nahaufnahmen und Details entsteht ein krasser Gegensatz zu handelsüblicher pornografischer Ware: eine sinnliche, farbenfrohe und freie Reise über die menschliche Haut.
 | | "Blutclip" (Courtesy: the artist, videoart.ch and Hauser & Wirth) |
Blutclip
CH 1993, DVD, 2'50''
Musik: “Yeah Yeah Yeah” (Sophisticated Boom Boom).
In einem von Edelsteinen glitzernden Wald lässt die Künstlerin ihrem Menstruationsblut freien Lauf. Bilder der Erde und des Alls suggerieren die physikalischen und spirituellen Verbindungen zwischen den Zyklen der Frau und denen des Mondes. Feminität wird in all ihren Phasen zelebriert: von den Fantasien junger Mädchen bis zur Reproduktionsfähigkeit der Frau.
 | | "I'm A Victim Of This Song" (Courtesy: the artist, videoart.ch and Hauser & Wirth) |
I’m A Victim Of This Song
CH 1995, DVD, 5'
Musik nach: "Wicked Game" (Chris Isaak).
Rist singt Chris Isaaks sentimentalen Song “Wicked Game“ und beschwört eine melancholische, verträumte Stimmung. Selbst die Farben, im Kontrast zu früheren Arbeiten, sind gehalten. Aufnahmen aus dem Wiener Café Prückel, vorbeihuschende Wolken und alte Familienfotografien suggerieren die Vergänglichkeit der Zeit.
I Want to See How You See (or A Portrait of Cornelia Providoli)
USA 2003, DVD, 5'
Bilder, die an Hexenversammlungen erinnern, überlagern sich mit denen eines Menschen, dessen einzelne Körperteile jeweils symbolisch eine Region der Erde darstellen.
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